Stadtteilentwicklung durch Sport - Wer bringt Bewegung ins Quartier?

Hamburg wächst je nach Schätzung um 10.000 Wohnungen pro Jahr bzw. durch zuziehende Neubürgerinnen und -bürger in den nächsten 20 Jahren im unteren sechsstelligen Bereich. Wie auch immer man es dreht und wendet: Es wird in den nächsten beiden Dekaden damit ein Bedarf an Sportstätten und Sportvereins-Mitgliedschaften in bisher nicht vermutetem Ausmaß ausgelöst.

Aber wo sind diese Sportvereine und Sportstätten geplant, wo werden Sie verwirklicht? Wo machen zukünftig nicht nur in den Neubauvierteln wie Mitte Altona oder Oberbillwerder, sondern auch in den Quartieren mit intensiver Nachverdichtung die Kinder ihr Kinderturnen oder die Senioren ihre Gymnastik? Denn das wissen alle: 30 % der bundesdeutschen Bevölkerung sind in einem Sportverein aktiv und haben entsprechend vielfältige Interessen.

Über neue Wege und Ansätze, diese Problemstellungen zu lösen, hat am Donnerstag, den 2. November ein Symposium mit hochrangiger Besetzung stattgefunden. Die vier Veranstalter ziehen hier bei aller Unterschiedlichkeit an einem Strang. Die Behörde für Inneres und Sport (Sportamt), die Stadtentwicklungsgesellschaft (steg), der Hamburger Sportbund (HSB) und die TopSportVereine (Großsportvereine der Metropolregion Hamburg) haben sich auf ein gemeinsames Exposé als Arbeitsgrundlage verständigt (Siehe Download).

Der Referentenkreis ist so exquisit wie der Tagungsort in der Kühne Logistics University. Sportsenator Andy Grote referierte die städtischen Präferenzen der Stadtentwicklung. „Wenn mit dem Wachstum unserer Stadt auch die Lebensqualität wachsen soll, spielen gute und wohnortnahe Sportmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Für die Entwicklung lebenswerter, attraktiver Wohnquartiere haben leicht zugängliche und einladende Sportanlagen dieselbe zentrale Bedeutung wie Kitas, Grünanlagen oder ÖPNV-Anbindung. Für Hamburg als Active City bedeutet Stadtentwicklung daher immer auch Sportflächenentwicklung. Wir investieren deshalb so massiv wie nie zuvor in Sporthallen, Sportplätze und Vereinssportanlagen und wollen Sportbedarfe in Stadtplanungsprozesse zukünftig noch früher und intensiver einbeziehen“, so Grote.

Anschließend übernahmen Andreas Klages (DOSB Abteilungsleiter Sportinfrastruktur) mit bundesweiten Erfahrungsberichten, Bernard Kössler (HSB-Vorstand) mit Lösungsansätzen für Hamburg aus Sicht des Sports und Prof. Dr. Robin Kähler mit seinen sportwissenschaftlichen Erkenntnissen deutlich Stellung und betonten, dass Hamburg dringend und intensiv handeln muss. „Sportvereine haben den Willen, Verantwortung in den Sozialräumen zu übernehmen und die Kraft, Quartiere zu gestalten. So wie Unternehmen zur Firmenentwicklung Kredite brauchen, fehlt den Vereinen häufig nur eine Anschubfinanzierung, um Ihre Sportplätze, Sporträume und Sportzentren auszubauen. Sozial in Vereinssportanlagen zu investieren, heißt soziale Zukunft im Wohnumfeld kreieren“, betonte Kössler.

Eine wichtige Zielgruppe, die auch den Veranstaltern am Herz liegt, kam danach zu Wort. Als Vertreter der Wohnungswirtschaft trug Peter Jorzick (Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung) die Anforderungen der Wohnungswirtschaft an die gelingende Quartiersentwicklung vor.