Für Schwimmer ist die Situation mangelhaft

Wir fragen die Vereine und Verbände in Hamburg, was im Sport gut läuft und wo der Schuh drückt. In einer losen Folge von Interviews entsteht so ein Bild der Stimmungslage im Hamburger Sport.
Dieses Mal sprechen wir mit Marlies Stüwe, 1. Vorsitzende des Arbeiter Wassersport Vereins für Hamburg und Umgegend.

 

Frage: Frau Stüwe, wie schätzen Sie die Lage des Sports in Hamburg ein?

Grundsätzlich mag sie in Hamburg recht gut sein. Im Prinzip kann man jeden Sport ausführen. Aber als (Vereins-)Schwimmer sieht es in Hamburg ganz anders aus. Die Situation würde ich als mangelhaft bezeichnen. Es gibt hier Mangel an Wasserzeiten und somit derzeit in einigen Bereichen erhebliche Wartelisten; die Konsequenz ist eine Nichtaufnahme von potentiellen Vereinsmitgliedern. Ebenso bei den Springern: Wir sind der einzige Verein in Hamburg, der das anbietet und es gibt leider derzeit einen Aufnahmestopp. Außerdem sind die Schwimmhallen meist nicht für den Wettkampfsport Springen ausgestattet. Meiner Meinung nach, wird die „Sportstadt Hamburg“ ihrem Titel nicht gerecht.

Wie ist die Lage in Ihrem eigenen Verein?

Die Lage bei uns im AWV 09 würde ich als befriedigend bezeichnen. Aber vor allem vor dem Hintergrund, weil wir seit langem nichts Besseres gewöhnt sind und weil wir ganz eigenständig und ehrenamtlich (und mit viel finanziellem Aufwand) dafür gesorgt haben, dass die Lage für uns hinnehmbar und intern betrachtet recht gut ist.

Was ist die größte Leistung des Sports in Hamburg?

Ich denke, dass ich das gar nicht so richtig beurteilen kann. Denn ich komme aus dem Breitensport und die größte Leistung wird aus dem Leistungssport / dem kommerziellen Bereich kommen. Eine große Leistung wäre es gewesen, Olympia nach Hamburg zu holen.

Was fehlt dem Sport am meisten?

Die echte Unterstützung. Damit meine ich, dass zwar oft das Ehrenamt und die kleinen Vereine mit ihrer Leistung Beachtung finden, aber oftmals nur als gesprochenes Wort. Echte praktische Unterstützung (für Schwimmvereine: mehr Wasserfläche und Wasserzeiten) oder Bürokratie-Abbau gibt es dann aber doch nicht. Im Gegenteil: es werden immer mehr Auflagen erteilt.

Worüber freuen sich Mitglieder in Ihrem Verein am meisten?

Ich hoffe, dass sich alle Mitglieder im AWV 09 über den gemeinsamen Spaß am Sporttreiben und am Zusammensein freuen.

Worüber klagen Mitglieder am meisten?

Ich weiß nicht, ob unsere Mitglieder wirklich klagen. Aber zwei Dinge fallen mir spontan ein: Erstens, dass es leider öfter Wartelisten gibt bzw. Kinder/Jugendliche vertröstet werden müssen, da das Angebot voll belegt ist. Zweitens, dass unsere bezahlten Trainer gerne ein etwas höheres Entgelt bekommen würden. Wobei ich hinzufügen muss, dass bis auf die Arbeit einiger Trainer alle Arbeiten im AWV 09 ehrenamtlich ausgeführt werden!

Bekommt der Vereinssport in Hamburg genug Wertschätzung?

Meine Meinung: vor allem die kleinen Vereine fallen bestimmt ein bisschen hinten hinunter. Wie eben schon gesagt, werden zwar alle Vereinssport-Aktivitäten erwähnt bzw. teilweise geehrt, aber: reicht das? Wie viele Ehrenamtliche gibt es, die seit Jahrzehnten viel für den eigenen Verein tun, aber noch nie einen Cent bzw. mehr als ein „Wort“ der Anerkennung erhalten haben?!

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Der Wert des Sports liegt in…

der eigenen Wahrnehmung und was ich daraus mache.