Für die Basisarbeit steht immer weniger Geld zur Verfügung

Wir fragen die Vereine und Verbände in Hamburg, was im Sport gut läuft und wo der Schuh drückt. In einer losen Folge von Interviews entsteht so ein Bild der Stimmungslage im Hamburger Sport.

Wie schätzen Sie die Lage des Sports in Hamburg ein?

Der Hamburger Sport verändert sich in dem Maße, wie uns auch gesamtgesellschaftlich vorgelebt wird, dass schneller Wandel  - oft auch ohne Solidargemeinschaft - neue Ziele sind. Sport ist für viele eine Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung in unserer Stadt. Gesundheitsförderung, Wohlbefinden wird dabei immer wichtiger.

Das sind gewiss wichtige Ziele. Sie stellen aber nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Gesamtbild des organisierten Sportes in Hamburg dar.

Eine Mitgliedschaft in einem Verein bedeutet in unserer Großstadt nicht mehr unbedingt eine Bindung für einen längeren Zeitraum- den es aber bedürfte, um erfolgreich Athleten zu fördern oder ehrenamtliche Kräfte zu gewinnen.  Zu vielfältig ist das Angebot in unserer Stadt. Wer heute am Skirenntraining teilnimmt, spielt im Sommer Hockey oder rudert und übt Klavier. Oder hat vielleicht im nächsten Winter einfach keine Lust mehr auf Rollski und Skilanglauf und kommt nicht mehr zum Training.

Die Stadt Hamburg lobt gerne den erfolgreichen Athleten oder das soziale Engagement des Sportes. Wenn es aber darum geht, verlässlich gefördert zu werden oder funktionsfähige Sportanlagen zur Verfügung zu stellen, erkennen wir schnell die Grenzen des Machbaren. Und diese liegen weit unter den Möglichkeiten die z.B. der Kulturetat bietet.

Zudem ist seit etlichen Jahren eine Tendenz zu Projektförderungen, etwa für Angebote für Geflüchtete oder Menschen mit besonderen Bedarfen, erkennbar. Diese Förderungen sind gut und richtig. Wer derartige Projekte in seinem Verein oder Verband organisiert, hat meist höhere Aufwendungen als für den Normalbetrieb.

Kein Verein oder Verband kann jedoch ohne eine solide Basis diese gewünschten Projekte anstoßen. Und für diese Basisarbeit steht immer weniger Geld zur Verfügung. Allein durch Mitgliedsbeträge sind auch hier bereits die vielbeschworen „integrativen Kräfte des Sportes“ nicht mehr zu finanzieren. Wir dürfen nicht übersehen, dass neben den Mitbürgern mit Sonderbedarfen bereits jetzt viele Menschen bei der Teilhabe durch ihre Vereine und Verbände regelmäßig unterstützt werden müssen.

Viele Mitbürger erkennen zudem nicht mehr den Mehrwert, den der organisierte Sport darstellt.

Warum sollte ein Solidarbeitrag für den Kinder- oder Leistungssport aus den allgemeinen Beiträgen finanziert werden, wenn jeder nur sein persönliches sportliches Ideal anstrebt?

Gewiss- jeder möchte medial „sein sportliches Idol“ anfeuern. Es wird dabei aber gerne übersehen, dass es die kleinen Strukturen des organisierten Sportes sind, die den Leistungssportler, Olympiasieger oder Bundesligaspieler hervorgebracht haben.

Wir als eines der Nordlichter unter den Landesskiverbänden tragen mit unserer Arbeit und Engagement zum Gelingen des gesamten Skisports bei. Auch wenn wir als breitensportlich organisierter Verband kaum in der Lage sein werden, A-Kader Athleten hervorzubringen.

Wie ist die Lage in Ihrem eigenen Verein?

Unsere Vereine haben in den vergangenen Jahren sehr unter den klimatischen Veränderungen gelitten.

Ich erinnere mich noch an die Zeiten, in denen verlässlich ab Anfang Januar im Harz Schnee lag und die geplanten Winteraktivitäten auch stattfanden. An Sonderzüge und Busse aus Hamburg in den Harz, die auch von Radiosendern und Sportartikelgeschäften organisiert wurden.

Wenn Angebote mangels Schnee abgesagt werden müssen, dann enttäuscht dies genauso diejenigen, die oft monatelange Vorbereitungszeit investiert haben, wie auch die, die als Teilnehmende extra für diese Zeiträume Urlaub eingereicht haben.

Gleichzeitig erleben wir auch eine Veränderung bei Teilnehmenden weg vom Vereinsgedanken, hin zu einem Konsumdenken und kurzfristigen Entscheidungen.

Die im Hamburger Umland existierenden Skihallen können unsere Entfernung zum Gebirge nicht kompensieren. Anders als bei den in Hamburg kostenfrei zur Verfügung gestellten Sportanlagen müssen wir zudem für unseren Sport jede Stunde der für unser Stangentraining gesperrten Bereiche am Ski-Hang im Gebirge oder den Hallen frei finanzieren.

Was ist die größte Leistung des Sports in Hamburg?

Der Sport schafft es in unserer Stadt Menschen zu begeistern und zu bewegen.

Jeder kann seinen Platz im Sport finden.

Sport spricht alle Sprachen, dieser Slogan der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist angesichts der Herausforderungen unserer derzeitigen Gesellschaft aktueller denn je.

Was fehlt dem Sport am meisten?

Derzeit fehlt dem organisierten Sport am meisten die Verlässlichkeit, die wir aus Deutschland gewöhnt sind und an die wir uns gewöhnt haben.

Verlässlichkeit der Förderung ebenso wie die Verlässlichkeit der Teilhabe.

Worüber freuen sich Mitglieder in Ihrem Verein am meisten?

Die Mitglieder unserer Vereine freuen sich über ausreichend Schnee und gutes Wetter, wenn sie Ski fahren gehen.

Als Verband freuen wir uns über die begeisterten Kinder-, Jugendlichen und Jungerwachsenen, die im alpinen und nordischen Bereich sich zum Renntraining treffen und Skirennen fahren.

Worüber klagen Mitglieder am meisten?

Jede Lebensphase hat ihre Freuden und Leiden. Gerade im alpinen Skisport erleben viele Vereine, dass die älter werdenden Mitglieder ihre persönlichen Ziele verändern müssen.

Jüngere Mitglieder müssen zur Ausübung des Skisportes immer höhere Kosten investieren. Nicht jeder kann somit den Sport in dem gewünschten Umfang mehr ausüben.

Bekommt der Vereinssport in Hamburg genug Wertschätzung?

Sport wird wertgeschätzt. Organisierter Vereinssport erhält dagegen nicht mehr die Wertschätzung, die er für die Vielzahl der gesellschaftlichen Aufgaben die er übernimmt erhalten müsste.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz:  Der Wert des Sports liegt in…

…der Umsetzung vielfältigster gesellschaftlich anerkannter Aufgaben durch ein gemeinsames friedliches, spielerisches und sportliches Miteinander.