Ski-Sturz mit Domino-Effekt

Schon zum zehnten Mal veranstaltete die Ski-Abteilung des Vereins aus S. ihre Winterfreizeit in Italien. Wie immer waren vom jungen Anfänger bis zum erfahrenen Rennläufer alle Leistungsstärken vertreten.

Als die Jugendgruppe der 14 bis 16-Jährigen mit ihrem Übungsleiter im italienischen Ort La Villa morgens zu ihrem Ski-Tag aufbrach, herrschte bereits strahlender Sonnenschein. Keiner konnte ahnen, dass dieser Tag noch unschöne Überraschungen für einige der Teilnehmer bereithielt.

Der Übungsleiter hatte zunächst den Routenplan für die Gruppe ausgegeben. Da in seiner Gruppe schon durchaus fortgeschrittene, wenn auch nicht sehr erfahrene Skifahrer in ihrer zweiten Wintersaison dabei waren, sollten ausschließlich „rote“ Pisten sowie am Nachmittag auch „blaue“ Pisten gefahren werden. Während die blauen Pisten mit einem Gefälle von höchstens 25 Prozent leichter zu bewältigen sind, ist auf einer roten Piste schon erheblich mehr Kraft, Mut und Ausdauer nötig; auf ihnen Piste darf das Gefälle auf einem Großteil maximal 40 Prozent betragen.

Absolut tabu für einen jungen Skifahrer ist in den ersten Jahren die „schwarze“ Piste; an diese Pisten mit Gefälle von über 40 Prozent und häufig schmalen, vereisten, engen Passagen sollte sich nur wagen, wer technisch wirklich gut bis perfekt fährt und ausreichend Erfahrung mitbringt.

An diesem Tag hatten aber zunächst nicht die Skischüler aus der Gruppe, sondern der Übungsleiter und Skilehrer Jürgen M. selbst Pech. An einer unübersichtlichen und etwas vereisten Stelle verlor er den Halt und „kugelte“ 20 Meter hangabwärts durch den tiefen Schnee. Verletzt hatte sich Jürgen M. nicht, allerdings war sein Wollpulli, den er statt eines normalen Skianzugs angezogen hatte, nun über und über mit kleinen Schneekügelchen bedeckt; der Großteil der Gruppe feixte, denn Jürgen M. war bekannt für seine Eitelkeit.

Jürgen M. informierte kurz darauf die Gruppe, dass alle Skischüler zusammen den Rest des Tages auf insgesamt 3 blauen Pisten zur Talstation gelangen sollten, während er selbst die schwarze – schnellere – Abfahrt zum Hotel nehmen würde, um sich, wie er sagte „im Hotel aufzuwärmen  und umzuziehen“.

Die Jugendlichen nahmen diesen Vorschlag gerne an, konnten sie doch nun unbeobachtet den Rest des Skitages fahren, wie sie wollten. Kaum war Skilehrer Jürgen M. allerdings aus dem Sichtfeld verschwunden, entschieden sich die zwei mutigsten 14-Jährigen, es ihm gleichzutun und ebenfalls die schwarze Piste zu fahren, um so vor ihren Freunden im Hotel anzukommen.

Es dauerte nur eine knappe Minute, als beiden klar wurde, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen hatten; allerdings gab es nun auch kein Zurück mehr. Als der Vordere der beiden, Tobias L., anfuhr, nahm er rasch eine Schussfahrt auf, die er nicht mehr mit kontrollierten Schwüngen abbremsen konnte. Er versuchte noch, quer zum Hang zu fahren, konnte aber nicht verhindern, dass er mit hohem Tempo mit einer weiteren Skifahrerin, die ihn nicht sehen konnte, kollidierte.

Tobias L. und sein Freund waren einige Stunden später wieder im Hotel und bis auf einige Schürfwunden unverletzt. Die Skifahrerin, mit der Tobias kollidiert war, hatte es deutlich schlimmer getroffen. Sie wurde zu dieser Zeit bereits im Krankenhaus operiert: Schien- und Wadenbeinbruch.

Die Krankenkasse der Verletzten nahm einige Wochen später nicht nur Tobias L. – vertreten durch seine Eltern – sondern auch den Skilehrer Jürgen M. im Zuge des Regresses auf Erstattung der Behandlungskosten in Anspruch. Auch die verletzte Skifahrerin selbst forderte ein Schmerzensgeld von den beiden.

Die ARAG Sportversicherung als Haftpflichtversicherer sowohl von Tobias L. wie auch des Skilehrers Jürgen M. erstattete die Behandlungskosten und zahlte auch das Schmerzensgeld an die Verletzte aus.

Durch das nicht begründete Verlassen der Jugendgruppe hatte der Skilehrer seine Aufsichtspflicht klar verletzt und war somit gegenüber der Skifahrerin (gesamtschuldnerisch mit dem Unfallverursacher Tobias L. bzw. dessen Eltern) haftpflichtig.

Beide, sowohl Skifahrer als auch Übungsleiter, waren letztlich froh, dass ihr Fehlverhalten von der Sport-Versicherung aufgefangen wurde!