Sportförderung muss zukünftigen Handlungsspielraum des Sports in Hamburg sichern

Unser Hauptausschuss hat in seiner Sitzung am 24. April eine Resolution zum aktuellen Stand der Sportfördervertragsverhandlungen verabschiedet.

Sportförderung muss zukünftigen Handlungsspielraum des Sports in Hamburg sichern!

Der Hauptausschuss begrüßt die Anstrengungen des Senats, dem Sport unter dem Label „Active City“ mehr Bedeutung zu verschaffen. Die Glaubwürdigkeit dieser Bemühungen ist für die Vereine und Verbände in Hamburg unter anderem mit dem Abschluss eines substantiell besser ausgestatteten Sportfördervertrages und der Bereitschaft, perspektivisch neue Wege der Sportförderung in Hamburg zu beschreiten, verbunden. Das vorliegende Angebot der Stadt ist dafür nicht ausreichend, es spiegelt nicht angemessen den Wert des organisierten Sports für die Stadtgesellschaft wider und würdigt nicht hinreichend den Beitrag, den der organisierte Sport mit seinen Vereinen, Verbänden und Dachverbänden erbringt, damit sich eine „Active City“ tagtäglich auch bewegt.

Der Hauptausschuss vertritt die Überzeugung, dass Hamburg zu einem Grundverständnis der Sportförderung für Vereine und Verbände kommen sollte, das nicht alle zwei Jahre neu erkämpft werden muss. Der organisierte Sport hat bei der Flüchtlingsthematik und bei der Frage „Stadtentwicklung durch Sport“ seine gesellschaftliche Kraft bewiesen. Die durch den Sportfördervertrag entstandene „Dauerverhandlungssituation“ lähmt den Sport. Andere Bundesländer haben intelligente Wege gefunden, wie alternative Sportfördermodelle aussehen können. Es ist an der Zeit, in Hamburg eine Debatte über ein Sportfördergesetz zu führen.

Ab dem Jahre 2021 muss ein neues System der Sportförderung in Hamburg wirksam wer- den.

Zum aktuellen Stand der Sportfördervertragsverhandlungen hat der Hauptausschuss des Hamburger Sportbundes auf seiner halbjährlichen Sitzung am 24. April 2018 nach intensiver Diskussion folgende Resolution beschlossen:

  1. Dass die FHH die Förderung des Vereinsübungsbetriebes und der Fachverbände erhöhen will, wird vom Hauptausschuss als ein erstes Signal anerkannt. Diese Förderpositionen sind essentiell für den Breitensport in Hamburg, da sie die unmittelbarste Förderung des Vereins- und Verbandsbetriebs ausmacht. Dennoch werden die bestehenden Finanzierungsbedarfe nicht gedeckt und Hamburg bleibt in dieser Förderposition hinter denen anderer Bundesländer zurück.
  2. Der Hauptausschuss begrüßt das Angebot des Senates zur HSJ-Förderung, insbesondere die Aufstockung der Förderpositionen von „Kids in die Clubs“ und „Kooperation Schule Verein“. Damit werden die Förderpositionen an die tatsächliche Kostenentwicklung der Vereine in den letzten Jahren angepasst.
  3. Der Hauptausschuss nimmt zur Kenntnis, dass entgegen früherer Aussagen doch eine erhöhte Förderung von Ehrenamt, Verwaltung und Personal angeboten werden kann. Auf dieser neuen Grundlage wird die Stadt aufgefordert, die Verbandsarbeit des HSB und des HFV, die auch zur Umsetzung der Active-City-Zielsetzung erforderlich ist, anzuerkennen und zu stärken. Der HSB hat sein Stammpersonal in den vergangenen Jahren um ca. 10 % reduziert, (zum Teil zusätzliche) Aufgaben neu strukturiert und ernsthafte Einsparungen realisiert. Gleichwohl besteht weiterhin eine erhebliche Deckungslücke zwischen der öffentlichen Förderung und den tatsächlichen Kosten. Der Hauptausschuss fordert das Landessportamt auf, den HSB und den HFV mit einer entsprechenden Aufstockung angemessen in den Bereichen Personal, Verwaltung und Ehrenamt auszustatten und somit auch die dachverbandlichen Funktionen und Leistungen für Vereine und Verbände abzusichern.
  4. Es ist positiv zu bewerten, dass auch die Mittel für den Hamburger Fußball-Verband in den Bereichen weibliche Talentförderung, Zuschüsse für die Vereine und „Kicking Girls“ erhöht werden sollen. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, dass dies nur in einem sehr geringen Umfang und teilweise zeitlich befristet geschehen soll, obwohl im Vorfeld höhere und weitere Bedarfe insbesondere für den Frauen- und Mädchenfußball, die Jugend- und Leistungssportförderung sowie die Digitalisierung angemeldet und sachlich begründet worden sind. Auch ist und bleibt die vielfältige Integrationsarbeit eine ständige Aufgabe aller Vereine und Verbände. Hierfür müssen auskömmliche und dauerhaft planbare Mittel bereitgestellt werden.
  5. Mit Unverständnis nimmt der Hauptausschuss die Vorschläge des Landessportamtes für eine vergleichsweise geringe Anhebung und insbesondere die konkrete Zuordnung von zusätzlichen Mitteln im Bereich der Leistungssportförderung zur Kenntnis. Die vom HSB genannten Forderungen werden als bedarfsgerecht und vorrangig angesehen und sind bei zusätzlicher Förderung auch vorrangig zu bedienen. Mit dem im Jahre 2017 vereinbarten „Verbundsystem Schule Leistungssport“ wird ein großer Teil des sportartspezifischen Leistungstrainings durch die Landes– und Verbandstrainer der Landesfachverbände zu leisten sein. Daher bedarf es hier einer höheren Finanzierung, als von Seiten der Stadt angeboten wurde. Anderenfalls ist das städtische Projekt nicht durchfinanziert. Eine neue projektbezogene Förderposition einzurichten, wie von der Stadt vorgeschlagen, geht dagegen an den konkreten Bedarfen vorbei und ist aus sportfachlichen Grün- den abzulehnen.
  6. Der Hauptausschuss stellt fest, dass für die Ausübung und Weiterentwicklung des Sports in Hamburg – insbesondere auch zur Umsetzung der Active City – eine entsprechende Instandhaltung der vereinseigenen Sportanlagen unabdingbar ist. Die hierfür erforderlichen Mittel (in 2017/2018 in Teilen aus dem Sanierungsfonds der Hamburgischen Bürgerschaft) müssen auch weiterhin zur Verfügung gestellt werden. Der Hauptausschuss fordert das Landessportamt auf, sich für eine entsprechende Mittelerhöhung durch die Hamburgische Bürgerschaft einzusetzen.
  7. Der Wettkampsport der Menschen mit Behinderungen nimmt weiter zu: Rollstuhlsport, Blindensport und Individualsport, z.B. der Hamburger Paralympics-Kandidat*innen. Die zuletzt gewährten Mittel reichen zur Abdeckung der Bedarfe nachweislich nicht aus. Der Hauptausschuss fordert die Stadt auf, die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen, um die zusätzlichen Bedarfe von Hamburger Sportler*innen mit Behinderung erfüllen zu können.
  8. Der Hauptausschuss fordert den Senat auf, sein Angebot substanziell nachzubessern und hierfür - wie in den Vorjahren auch - die Hilfe der Bürgerschaft in Anspruch zu nehmen. Der vom Senat angekündigte „Wachstumsfaktor“ muss auch in der Förderung des Sports und seiner Infrastruktur Berücksichtigung finden.

Hamburg, 24. April 2018