Vom Flüchtlingsangebot zum Diversity Management

Ein Erfahrungsbericht von Karen Nakamura, Integrationsbeauftragte des ETV.

2015 startete der Eimsbütteler Turnverband e.V. (ETV) wie viele andere Sportvereine mit seinem Sportangebot für Geflüchtete -Refugees@ETV. 2017 wurde der ETV mit diesem Angebot Stützpunktverein des HSB für das Programm „Integration durch Sport“. Mit Beginn der Stützpunktvereinsarbeit wurde ich als Integrationsbeauftragte eingesetzt und durch den HSB gefördert.

Der ETV ist nun in seinem dritten Jahr als Stützpunktverein. In den drei Jahren hat sich die Integrationsarbeit stark gewandelt. Ich koordinierte zunächst das reine Sportangebot für Geflüchtete und übernahm die Schnittstellenfunktion zum HSB und anderen Institutionen. Es wurde aber auch strukturell umgedacht, sodass die Funktion der Integrationsbeauftragten etabliert wurde und nun vorläufig selbst vom Verein finanziert wird.

Der ETV erkannte den Bedarf eines persönlichen Ansprechpartners für Menschen mit Migrationshintergrund für einen niedrigschwelligen Einstieg in den Sport und den Sportverein. Umgesetzt wird dies in erster Linie durch die Einführung meiner persönlichen Beratungszeit in Eingangsnähe, um den Raum und die Zeit für Face-to-Face-Gespräche zu ermöglichen.

Strukturell konnte ich mein vereinsinternes Netz so ausbauen, dass ich nun Bedürfnisse und Bedarfe der Mitglieder, Migrant*innen und Sportabteilungen zusammenbringen kann. Ich freue mich sehr, dass dadurch viele Geflüchtete eine ehrenamtliche Funktion im Verein übernommen haben. Inzwischen konnten wir Trainer*innen und Übungsleiter*innen ausbilden und einsetzen.

Meine Rolle sehe ich aber inzwischen viel breiter aufgestellt als eine Flüchtlingskoordinatorin. Zurzeit arbeite ich daran, auch weitere Zielgruppen anzusprechen. Der ETV ist groß und bietet eine breit gefächerte Vielfalt an Mitgliedern, Trainern, Sportarten und Mitarbeitern. Ich möchte die Bedürfnisse der unterschiedlichen Gruppen erforschen und dort unterstützen, wo Bedarf ist. Aktuelle Projekte sind beispielsweise der Ausbau eines Angebotes im Rollstuhl-Badminton und die Gründung einer integrativen Gruppe an Ehrenamtlichen, die gemeinsam Projekte wie z.B. ein integratives Fußballturnier stemmen.

Mein Ziel ist es, das Potential der Vielfalt für den Verein zu nutzen und Stärken so zu leiten, dass sie anderen im Verein einen Gewinn bringen, um so auch Brücken zwischen jüngeren Mitgliedern und Senioren zu bauen.

Beispielhaft ist nach wie vor die Faustballabteilung. Aus einer Ballspielgruppe für Geflüchtete ist eine starke Faustballabteilung mit Herren-, Damen-, Senioren- und Kindermannschaften gewachsen, die sich gegenseitig unterstützen. In diesem Jahr wird die Abteilung mit Unterstützung der zahlreichen Iraner mit Fluchthintergrund die Deutsche Seniorenmeisterschaft und ein integratives 3 Nationenturnier ausrichten. Das ist wirklich eine großartige Erfolgsgeschichte!

Meine größte Erkenntnis in den Jahren meiner Tätigkeit ist, dass diese Arbeit nicht allein zu bewältigen ist. Dabei ist es wichtig, dies nicht nur vereinsintern zu tragen, sondern auch die Vielfalt des sozialen Engagements im Bezirk zusammen voranzutreiben und zu verzahnen. Es bedarf vieler, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Ganz klar - ohne das Engagement der Kolleg*innen und Trainer*innen wäre der ETV nicht dort wo er jetzt steht.