Kunstrasenplätze und Mikroplastik / Situation in Hamburg

In der Berichterstattung zu Kunstrasenplätzen kursieren derzeit einige missverständliche Informationen. Das Thema hat eine Relevanz für betroffene Vereine, Anlass zu Panik besteht nicht.

Zum derzeitigen Stand gibt es kein Verbot der EU-Kommission für Kunstrasenplätze, die mit Kunststoffgranulat verfüllt sind. Es droht derzeit auch keine Stilllegung von im Betrieb befindlichen Plätzen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Fußballbund (DFB) haben sich mit einer gemeinsamen Stellungnahme am 14. Mai 2019 in die Debatte eingebracht und die Anliegen des organisierten Sports artikuliert.

In Hamburg gibt es bei städtischen und vereinseigenen Kunstrasenplätzen eine überschaubare Anzahl mit Kunststoffgranulatverfüllung. Bei einigen der betroffenen Plätze neigt sich die Lebensdauer ohnehin dem Ende entgegen. Insofern könnte im Zuge einer Sanierung eine Alternative zur Granulatverfüllung umgesetzt werden. Der 7. Hamburger Sportbericht führt zum Umgang mit Granulatverfüllung auf öffentlichen Sportplätzen auf Seite 30 aus: “Bei der Entscheidung über Bauweisen und der Wahl von Baumaterialien im Sport spielen Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit immer größere Rollen. So werden zum Beispiel die zuletzt in die Kritik geratenen Kunststoff-Einstreugranulate (Infill) auf öffentlichen Kunststoffrasen-Spielfeldern in Hamburg bereits seit Jahren nicht mehr verwendet. Stattdessen kommen rein mit Quarzsand verfüllte Systeme oder aber Systeme mit einem Korkgranulat-Infill zum Einsatz. Abgespielte Beläge aus Kunststoffrasen werden seit 2017 in Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der Nutzung der technischen Möglichkeiten konsequent recycelt.”

Die kritische Haltung zu den Granulatverfüllungen ist in Hamburg seit Jahren Konsens zwischen uns und dem Bezirklichen Sportstättenbau. Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz bleibt ein essentielles Kriterium der Sportinfrastruktur Hamburgs.

Das Bundesumweltministerium hat zur Verdeutlichung des derzeit laufenden Verfahrens noch folgende Informationen herausgegeben:

“Ob die EU-Kommission ein Verbot von Plastik-Einstreumaterial für Kunstrasensportplätze vorschlagen wird, steht noch längst nicht fest. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) ist derzeit in einer frühen Phase der Meinungsbildung zum Thema Mikroplastik und sammelt Informationen und Einschätzungen zum Thema ein.
Im Anschluss an die öffentliche Konsultation beginnen die fachlichen Prüfungen. Zwei sogenannte Beurteilungsausschüsse, die mit unabhängigen Wissenschaftlern besetzt sind, werden ab Herbst eine fundierte Stellungnahme erarbeiten. Ein Ausschuss wird sich mit der Risikobewertung für Verbraucher, Arbeitsnehmer und Umwelt beschäftigen. Der andere Ausschuss arbeitet speziell zu den sozioökonomischen Folgen, also zum Beispiel auch den Folgen für den Sportbetrieb. Die Erarbeitung der Entwürfe der Stellungnahmen dauert ein Jahr, anschließend besteht nochmals die Möglichkeit einer Kommentierung. Nach nochmaliger Überprüfung werden die Bewertungen veröffentlicht und der EU-Kommission geschickt.
Auf der Grundlage dieser wissenschaftlichen Bewertungen kann dann die EU-Kommission einen Regulierungsvorschlag (im Rahmen des REACH-Regelwerks) machen. Erst solcher Vorschlag würde dann von den Mitgliedstaaten beraten. Erst dann ist auch eine sinnvolle und fundierte Abstimmung innerhalb der Bundesregierung möglich.“

Bei Fragen können Sie sich betroffene Vereine auch gerne an unser Referat Sportinfrastruktur wenden.