Schutz von Kindern und Jugendlichen als zentrales Thema der Fachtagung

Schutz von Kindern und Jugendlichen als zentrales Thema

Mit der Fachtagung zum Thema „Prävention sexualisierter Gewalt im Kinder- und Jugendsport in Hamburg“ wird der organisierte Sport aufgerufen, sexualisierter Gewalt entschlossen entgegenzutreten.

Die Hamburger Sportjugend hat mit der heutigen Fachtagung zum Thema „Prävention sexualisierter Gewalt im Kinder- und Jugendsport in Hamburg“ den organisierten Sport dazu aufgerufen, sexualisierter Gewalt entschlossen entgegenzutreten.

Eröffnet von der Schirmfrau Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, war der Tag gespickt mit Vorträgen und Workshops, die sich des Themas aus verschiedensten Richtungen näherten.

Seit der bundesweiten Diskussion um sexuellen Missbrauch in Institutionen setzt sich auch der Sport verstärkt mit dieser Thematik auseinander. Die Verabschiedung der Erklärung „Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport – Vorbeugen und Aufklären, Hinsehen und Handeln!“ bildete auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) im Dezember 2010 den Auftakt.

Seit Dezember 2011 haben Zündfunke e.V., der Verein zur Prävention und Intervention zu sexuellem Missbrauch an Kindern und Frauen und die HSJ einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, um sich gemeinsam nachhaltig für den Schutz vor sexueller Gewalt stark zu machen. Ein regelmäßiges Fortbildungsangebot trägt dazu bei, alle verfügbaren und angemessenen Mittel aufzuzeigen, damit sexualisierte Gewalt im Rahmen der sportlichen Kinder- und Jugendarbeit verhindert wird.

Nichtsdestotrotz gibt es Bereiche, die verändert werden sollten, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt zu verbessern.

Der HSJ-Vorsitzende Julian Kulawik, ist in seinen Forderungen dazu sehr klar: „Wenn der Schutz von Kindern und Jugendlichen über allem steht, dann müssen auch Gesetzgebungen angepasst werden. Es muss z.B. möglich sein, dass Arbeitnehmer*innen im Kinder- und Jugendbereich mit einem Eintrag im Bundeszentralregister und/oder im erweiterten Führungszeugnis aufgrund sexualisierter Gewalt aus besonderem Grunde (fristlos) kündbar sein können.“

Des Weiteren muss gelten: Kinderschutz vor Datenschutz! Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt muss Vorrang vor dem Schutz von personalisierten Daten haben. Darüber hinaus sollten Einträge im Bundeszentralregister und/oder im erweiterten Führungszeugnis auf Grundlage sexualisierter Gewalt nicht getilgt werden!“

Sportsoziologin Dr. Bettina Rulofs von der Deutschen Sporthochschule Köln stellte in einem Fachvortrag die neusten Ergebnisse des Forschungsprojekts „Safe Sport“ vor, das sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch im Sport beschäftigt.

Im Anschluss setzen sich Expert*innen und Teilnehmer*innen in vier Workshops mit dem Thema weiter auseinander.

Jospehine Rothlaender von Zündfunke e.V. diskutierte die Balance zwischen Nähe und Distanz. Die Fragen „Was ist im Sport normal und was ist Graubereich?“ wurde anhand von Beispielen und Übungen praktisch begleitet.

Die sportrechtliche Seite, vor allem in Bezug auf das Verbandsrecht, beleuchtete Carsten Chrubassik vom Ehrengericht des Hamburger Fußballverbands (HFV). In seinem Workshop wurde darüber gesprochen, was man außerhalb der strafrechtlichen Verfolgung als Verein und Verband tun kann.

Elena Lamby von der Deutschen Sportjugend (dsj) beschrieb im dsj-Stufenmodell die Mindeststandards zur Prävention von sexualisierter Gewalt, die für den Dachverband und seine Mitgliedsorganisationen Gültigkeit haben, und stellte sich den Fragen der Teilnehmer*innen.

Dass sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen große Auswirkungen auf deren Psyche haben und wie es Lebensläufe negativ beeinflussen kann, war Thema im Gespräch von Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, Leiter der Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Eppendorf.

Der Tag zeigte deutlich, dass das Thema „Sexualisierte Gewalt im Sport“ nichts an seiner Aktualität verloren hat. Der organisierte Sport trägt durch seine engagierten und kompetenten Trainer*innen und Übungsleiter*innen in großem Maße zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen bei. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Vereine und Verbände sich dem Thema „Sexualisierte Gewalt im Sport“ verantwortungsvoll stellen. Es ist essentiell, eine Kultur der Aufmerksamkeit und des Hinschauens zu nachhaltig zu etablieren.