TSV Wandsetal

Geschäftsführer Marco Rehmer (re.) und Sportvorstand Jürgen Meins (li.) sind stolz auf das Engagement des Vereins in Sachen Integration durch Sport

Helfer der ersten Stunde

Schon seit mehr als drei Jahren arbeitet der TSV Wandsetal engagiert und ideenreich mit Flüchtlingen in Wandsbek

Es ist eine Geschichte, die Marco Rehmer und Jürgen Meins immer noch völlig begeistert. Da fragt sich ein Vereinsmitglied, wie es Flüchtlingskindern helfen könnte. Ihr eigener Geburtstag nahte, und aus dem Gefühl heraus, doch alles zu haben, bittet Heike Wisch vom TSV Wandsetal von Geschenken abzusehen und stattdessen lieber Geld zu spenden. Ihr Ziel ist, möglichst viel Bares zusammen zu bekommen, um möglichst vielen Kindern aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Irak und Iran einen Schwimmkurs zu spendieren. Die wenigsten Flüchtlingskinder können bekanntlich schwimmen. Heike Wisch hat ihr Ziel erreicht: Bis zum Ende des Jahres werden zwölf Kinder den Pinguinkurs des Bäderlandes absolvieren. Umsonst. Der Geldspende sei Dank.

Wir sitzen auf der kleinen, aber feinen Tribüne des Stadions Hinschenfelde im grünen Eichtalpark. Im Hintergrund kreidet der Platzwart gerade sogfältig die Linien des Fußballplatzes. Geschäftsführer Marco Rehmer und der Sportvorstand Jürgen Meins sind stolz, vom Engagement ihrer Mitglieder in Sachen Integration durch Sport zu erzählen. Denn hier wächst etwas, ist über Jahre schon gewachsen. Nicht groß reden, sondern machen – diese Haltung haben Rehmer und Meins, wenn es um die Integration Geflüchteter geht.

Dabei ist der TSV Wandsetal ein Klub der ersten Stunde in Sachen Flüchtlingsarbeit. Schon Anfang 2013 boten Meins und seine Mitstreiter den Asylsuchenden in der Erstaufnahme-Einrichtung Litzowstraße kostenlose Unterstützung und Teilhabe am breiten TSV-Sportangebot an. „Wir sind einfach hingegangen“, sagt Meins, „die brauchten doch Bewegung!“ So entstand eine erste Fußballgruppe im Frühjahr 2013. Aus ihr und den Nachfolgegruppen sollen möglichst viele Spieler in die etablierten Mannschaften des TSV überführt werden. Rehmer sagt: „Die richtige Integration ist abgeschlossen, wenn die Spieler in den Mannschaften spielen.“

Vier Mal die Woche bietet der TSV Fußballtraining für Flüchtlinge an. Inzwischen sind Gymnastikkurse für geflüchtete Frauen und Männer aus der Unterbringung Oktaviostraße hinzugekommen, auch Ringer aus verschiedenen Ländern haben beim TSV Wandsetal ein Zuhause gefunden. „Zwölf bis 15 Ringer sind dazugekommen“, berichtet Meins, „wir hatten schon ein Fußballturnier Asien gegen Afrika.“ Der Sieger hieß Asien. Für das vielfache Engagement lobte Staatministerin Aydan Özoguz (SPD) den TSV im Jahr 2015 ausdrücklich und bezeichnete den Verein als „Lokomotive der Integration“.

Schon früh hatte Meins nach einer geeigneten Person gefahndet, die im Auftrag des TSV Wandsetal in die Unterkünfte gehen, das beliebteste Sportangebot abfragen und für den TSV werben sollte. In Maria Ali fand er die ideale Frau. Maria Alis Eltern kommen aus Afghanistan; sie arbeitet inzwischen in verantwortlicher Position für das Hamburger Unternehmen Fördern und Wohnen, das sich auch um Flüchtlingsunterkünfte kümmert. Ihre Stelle beim TSV hat ihre Cousine Uranus Mohsini eingenommen. „Aber auch für Maria finden wir wieder etwas im Verein“, sagt Jürgen Meins und herzt die inzwischen im Stadion eingetroffene Maria Ali. Die weltoffene Frau trägt das Herz am rechten Fleck und hat eine hohe Meinung von den Fähigkeiten ihrer Cousine: „Sie kann das noch besser machen als ich, weil ich keine gläubige Muslima bin. Sie repräsentiert eher das, was die muslimischen Frauen glauben. Das erhöht ihr Glaubwürdigkeit.“ Uranus Mohsini, Spitzname Lina, strahlt, wenn sie derart gelobt wird. Jürgen Meins denkt schon darüber nach, wie er die beiden auch in andere Kurse des TSV Wandsetal einbinden könnte: „Sie haben beide viel Herz und gehen toll auf die Menschen zu. Wir sehen, dass die Gruppen wachsen, die von Lina angeleitet werden. Deswegen hätte ich sie gern im Seniorenbereich.“ So weit ist es noch nicht.

Andere Vorhaben sind abgeschlossen. Beim Adventssingen 2015 brachten Flüchtlinge aus Syrien selbstgemachte Köstlichkeiten mit und verteilten sie. Die Einnahmen der Veranstaltung gingen an die Wohnunterkunft in der Litzowstraße. Die Erlöse eines vom Hefehersteller „Ohly“ unterstützten Wohltätigkeitsturniers flossen in die Integrationsarbeit, 1600 Euro Spenden für die Flüchtlings- und Jugendarbeit kamen bei einem Turnier mit Flüchtlingsteams zusammen. Die Vernetzung im Stadtteil ist bestens. Dabei hilft dem TSV Wandsetal, dass er in einem bunten Quartier mit vielen verschiedenen Nationen liegt. Marco Rehmer sagt: „Für uns ist das alles eins, ob Migranten oder Flüchtlinge. Es ist gang und gebe, dass sich die Kulturen mischen.“ Nur in den Fitness- und Gymnastikkursen, da klappe die Integration noch nicht richtig, da bliebe man gern unter sich, merkt der Geschäftsführer an.

Immer wieder suchen Rehmer und Meins auch den Kontakt zum HSB. „Wir sind da doch alte Bekannte“, sagt Meins grinsend, und Rehmer ergänzt: „Wir sind dem HSB dankbar. Bei der Integrationsarbeit können sie uns durch ihre strukturelle Arbeit wunderbar unterstützen.“

Bei der Frage nach den beliebtesten Angeboten bekommen Meins und Rehmer immer die gleiche Antwort – Kinder und Männer wollen am liebsten Fußball spielen, Frauen Fitness machen. Etwas Abwechslung kann nicht schaden! Deshalb könnte sich Meins gut vorstellen, in Kooperation mit dem Wandsbeker TB auch Volleyball anzubieten. Dem begeisterten Läufer liegt „seine“ Disziplin natürlich sehr am Herzen. Beim Köhlbrandbrückenlauf waren Flüchtlinge als Helfer dabei. „Und beim Wandsbeker Habmarathon waren es sogar 60 Flüchtlinge, die motiviert und gerne mitgeholfen haben“, sagt Jürgen Meins. Es freut die Macher beim TSV Wandsetal und treibt sie an, wenn sich so viele Asylsuchende im Stadtteil für den Sport begeistern lassen.

Text: Frank Heike
Foto: Frank Molter

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