Bowler, Batsman, Wicket, Runs – in das umfangreiche Regelwerk des Cricket mit seinen eigenen Begrifflichkeiten einzutauchen, eröffnet eine völlig neue Welt.

Zwei Cricket-Spieler im Stadion @LoggaWiggler/Pixabay

Kurz gefasst stehen bei dem Schlagballspiel der/die Werfer*in (Bowler) und der/die Schlagmann/frau (Batsman) nicht nur im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, sondern auch des Feldes, genauer gesagt auf der Pitch. Der Batsman verteidigt hier das sogenannte Wicket, eine Holzkonstruktion aus drei Stäben und zwei Querstäben, und versucht mit einem möglichst guten Treffer seinem Team Punkte durch Runs (Lauf zum anderen Ende der Pitch) zu bringen. Den übrigen zehn Feldspieler*innen der Wurfmannschaft wurden zuvor vom/von der Kapitän*in unterschiedliche Aufgaben zugewiesen, und die restlichen Teammitglieder der Schlagmannschaft (Batting-Team) warten auf ihren Einsatz. Die hochkomplexen Aufstellungs- und Positionsvarianten, die strategisch durchdacht und jederzeit an die aktuelle Spielsituation angepasst werden müssen, werden vom/von der Kapitän*in entschieden, wobei er/sie einzelne Spieler*innen zu Rate ziehen kann. Verstanden soweit? Ohnehin wichtiger als die Regeln in Gänze zu begreifen, ist es, Cricket-Begeisterten das Ausüben der Sportart hier in Deutschland zu ermöglichen.

Wie ist derzeit der Stand in Hamburg? Wo und wie wird Cricket bereits umgesetzt? Welche Hindernisse treten womöglich auf und welchen Beitrag leisten wir, der Hamburger Sportbund, um Cricketspieler*innen und/oder -interessierten das Ausüben ihrer Sportart zu ermöglichen? Welchen gesamtgesellschaftlichen Nutzen bringt die Importsportart?

Aktuell bieten fünf Hamburger Vereine Cricket an, zwei davon sind Stützpunktverein im Bundesprogramm Integration durch Sport: der Hamburger SV und der SV Nettelnburg/Allermöhe. Außerdem engagieren sich die Vereine SC Europa, THCC Rot-Gelb Hamburg sowie First Contact ebenfalls im Cricket-Bereich. Eine große Herausforderung für die Vereine sind die Anforderungen an die Sportstätten, die Cricket stellt: Ein ovales Spielfeld mit einem Durchmesser von bis zu 150 Metern und einem mittigen Streifen mit festem Untergrund von zirka 3 Metern x 20 Metern sind vonnöten. Behelfsweise werden Fußballfelder oder alte ausgediente Tennisplätze genutzt. Aber Hamburg ist Vorreiter! Am 20. Juni 2020 wurde vom THCC Rot-Gelb in Altona-Osdorf die deutschlandweit erste Spielstätte nach internationalen Vorgaben eröffnet. Eine weitere Anlage befindet sich in Mümmelmannsberg und wird vom SC Europa betrieben. Diese werden dringend benötigt, denn in Hamburg gibt es sogar zwei Bundesligamannschaften. Aber auch der Breitensport braucht Flächen, denn nicht nur Zugewanderte und Expats aus zum Beispiel Afghanistan, Pakistan, Indien, England, Australien und Neuseeland, sondern auch viele andere Hamburger*innen sind neugierig auf die kontaktfreie Sportart.

Die Nachfrage nach Cricket und der strukturelle Bedarf sind groß. Aus diesem Grund entstand aus einem Kernteam verschiedener Landessportbünde ein bundesweites Cricketnetzwerk, um den Austausch zwischen Vertreter*innen des Bundesprogramms Integration durch Sport, dem Deutschen Cricket-Bund, der Cricketlandesverbände sowie regionalen Cricket Organisationen zu ermöglichen.

Auch unser Mitarbeiter im Programm „Integration durch Sport“, Erik Dawid, nimmt als einer der Initiator*innen des Netzwerks regelmäßig an den Treffen teil. „Wir tauschen uns darüber aus, wie wir die Sportart Cricket in die Strukturen des organisierten Sports eingliedern können und welche Herausforderungen es zu überwinden gilt,“ so Dawid. Denn Herausforderungen gibt es: Ein Mangel an geeigneten Sportstätten erschwert den regelmäßigen Trainings- und Spielbetrieb genauso wie das fehlende Lizenzsystem zur Ausbildung von Trainer*innen und Schiedsrichter*innen bei gleichzeitiger Nicht-Anerkennung bereits vorhandener ausländischer Lizenzen. „Hier gehen Ressourcen verloren und ohne geeigneten Trainer*innenpool kann es keine Professionalisierung der Sportart Cricket geben.“

Eine weitere Erschwernis liegt darin, dass manche Cricketspieler*innen zum Teil keinen Bedarf an struktureller Organisation sehen. Mitgliedschaften und Vereinsbeiträge sind vielen aus ihren Herkunftsländern nicht bekannt und somit fehlt auch oftmals die Bereitschaft zur verbindlichen Anmeldung im Verein inklusive regelmäßiger Beitragszahlung. Die Sportart selbst kann hier eine Brücke sein und die Entwicklung begünstigen. Sportstättenbau, Ausstattung und Ligabetrieb setzen vielseitiges Engagement voraus, in das die Sporttreibenden selbst eingebunden werden. Sie werden so in ihrer sportlich-kulturellen Identität ernst genommen und können einen Teil der eigenen Kultur aus ihrer Heimat mitbringen. Entsprechend gleichberechtigt können sie sich in die Vereinsstrukturen eingliedern und diese um eine weitere Sportart bereichern. Win-Win für beide Seiten!

Cricket ist als zweithäufigst gespielte Sportart der Welt, nach König Fußball, für sehr viele Menschen von großer Bedeutung. Wie groß, zeigt folgende Aussage von Dawid: „Als ich dem Geschäftsführer des Deutschen Cricket Bundes von meiner Vision erzählte, Cricket bei Olympia sehen zu wollen, leuchteten seine Augen vor Freude. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“ Die ersten Schritte sind aber bereits getan und die Nächsten geplant: Das Cricketnetzwerk trifft sich wieder im Mai. Wir berichten!